Tagebuch Rene und Andy Bernhardt
Die Mail vom Freitag (07.08.2009),
abends gegen 20.25 angekommen, schickte Rene vom Rand eines Getreidefeldes ab. Er und Andy saßen am Lagerfeuer und waren beim
Essen. Die Fahrstrecke betrug fast 800 km, ein harter Tag, zumal das Wetter nicht gerade sommerlich war, immer wieder Regenschauer,
kaum
Sonne und Temperaturen zwischen 10 und 15° C. Allerdings gab es auch genug Eindrücke am Wegesrand: Reiter, die ihre
Kühe
eintrieben oder eine riesige Stretchlimousine, die auf einer unbefestigten Dorfstraße eine Braut zur Hochzeit
fuhr. Begegnungen,
die einmal mehr zeigen, welch kontrastreiches Land Russland ist.
Eine Nachricht am 8. August 2009 um 11.31 Uhr zeigt die „kleinen“ Probleme, die immer
wieder für Verzögerung sorgen.
Mitten in Russland fehlt bei einer Flussquerung weit und
breit eine Brücke, auf die Fähre müssen die zwei warten. Dazu üble Wege, Rene schreibt von
Höchstbelastungen fürs Material, es geht nicht voran. Die Straßen sind mit bis zu 5 cm hohem nassen Feinstaub bedeckt,
der die Straßen gefährlich glatt werden lässt. Dazu werden unsere beiden Fahrensleute von üblen Stichen geplagt,
die russischen Insekten werden wohl gierig auf das „Importblut“ sein. Also werden nicht nur die beiden KTM aufs
höchste
belastet, auch für die Fahrer geht es um Höchstleistungen!!!
Die Tagesetappe müssen Andy und
Rene gegen 21.25 Uhr
völlig durchnässt ca. 100 km vor Perm abbrechen. Die Temperaturen gehen in den einstelligen
Bereich, ein eisiger Nordwind und
9° C sind alles andere als ein Sommer-Reisewetter.
Die Stadt Perm ist übrigens
die östlichste Millionenstadt
Europas. Gegründet aufgrund von Kupfererzfunden in Jahre 1723 zählt sie heute
über eine Million Einwohner. Da sie zu
Zeiten der Sowjetunion ein Zentrum der Rüstungsindustrie war, galt Perm bis 1991
als „verbotene Stadt“ für
Ausländer. In der Nähe gibt es für Literaturfreunde das Dr. Schiwago
Haus, ein ländliches Anwesen. Hier spielte der
berühmte Roman von Boris Pasternak, der auch verfilmt wurde.
Heute, am Sonntagabend
(09.08.2009) haben die Beiden mit Jekaterinburg ihr erstes Etappenziel in
Asien erreicht. Zum Glück zeigte sich das Wetter von der
schönen Seite. Allerdings stellte sich ein weiteres Problem
ein, das Geld ist den Zwei ausgegangen, keine Geldkarte funktionierte
an den Automaten. Und natürlich hatte keine Bank auf.
So mussten 20.-$ unter Mühen getauscht werden. Das Hotel erreichten sie
mit dem letzten Tropfen Benzin. Beim Finden des
Hotels bekamen Rene und Andy Hilfe von einer Rockergang, die sie angesprochen
hatten. Sonst hätte sich die Hotelsuche
schwierig gestaltet.
Jekaterinburg ist die viertgrößte Stadt Russlands und
liegt ca. 20 km östlich der
imaginären Trennlinie zwischen Europa und Asien. Die Stadt ist nach Moskau und St. Petersburg die
drittwichtigste Region
Russlands, es gibt sogar Generalkonsulate einiger Staaten, darunter auch Deutschland.
Bekannt wurde die
Großstadt
unter anderem, weil nach der Oktoberrevolution von den herrschenden Bolschewiki Zar Nikolaus der Zweite mitsamt seiner
Familie
umgebracht worden ist.
Claus Uhlmann