Abenteuer ,,Asien Express" beginnt am Samstag in
Lößnitz
VON ANNA NEEF
Lößnitz. 25.000 Kilometer in neun
Wochen - ein Härtetest für Mensch und Material. Fakt ist schon jetzt: Das Abenteuer ,,Asien Express" wird für Rene und
Andy Bernhardt ein unvergessliches Erlebnis. Am Sonn¬abend, 7 Uhr startet das Vater-Sohn ¬Gespann mit seinen zwei
Motorrä¬dern vom heimatlichen Lößnitz aus durch. Die erste Etappe führt in die polnische Hauptstadt
Warschau.
"Ich denke, die erste Woche wird sehr hart", sagt Rene Bernhardt, der zu Trainingszwecken seit einem Jahr auf den Genuss
von hochpro¬zentigem Alkohol verzichtet, abge¬speckt hat und viel Fahrrad gefah¬ren ist. Die Mammuttour, die der 42-
Jährige jetzt mit seinem 19-jähri¬gen Filius in Angriff nimmt, ist straff durchgeplant. Im Schnitt zwi¬schen
500 und
900 Kilometer sollen pro Tag auf dem Tacho hinzukom¬men. "Nach einer Weile lassen die Schmerzen bestimmt nach", hofft
Rene Bernhardt
und muss schmun¬zeln. Läuft alles wie am Schnür-chen, steigt am 3. Oktober ein
spek¬takuläres Finale, wenn die
beiden Abenteurer mit ihren Motorrädern im Tanzsaal des Affalterer Gasthofs "Zur
Linde" einfahren. Doch bis dahin liegen noch viele
Kilometer, sieben Zeitzonen und ei¬nige Strapazen vor ihnen. Mit
reich¬lich Sonne im Herzen geht das Duo sein Großprojekt
an. Und erfüllt sich damit einen Lebenstraum. Eine
abgefahrene Idee, zweifellos. Wie man darauf kommt? "Ich wollte schon immer mal
nach Russland", sagt Rene Bernhardt kurz und
knapp. Gänzlich Neuland sind der¬lei Touren für den Betreiber eines
Zweiradcenters in Lößnitz nicht. In
kleinerer Ausführung gehören solche Ausflüge, etwa im Balkangebiet, seit
1999 zum Angebot der Bern¬hardts.
Eine dieser Motorradreisen eignet sich sogar für Familien. Der "Asien Express“ hingegen
verlangt dem Gespann -ohne
Serviceteam im Rücken, völlig auf sich allein ge¬stellt- mit Sicherheit alles ab. Zu¬mal
Vater und Sohn ihr
Nachtlager meist spontan aufschlagen, will hei¬ßen: im Zelt. Einige Länder müssen sie wegen
begrenzter Visa-
Geneh¬migungen zudem in einem be¬stimmten Zeitraum hinter sich las¬sen. Bummeln ist also nicht drin. Die
beiden
werden Flüsse durch-queren und allein 800 Kilometer auf Schotter zurücklegen. Ohnehin sind nur 20 Prozent der Strecke
as¬phaltiert. "Der Rest geht durchs Ge¬lände", erklärt Rene Bernhardt. Eine Herausforderung, die die Erz¬gebirger
auf Motorrädern der Marke KTM, Typ 990 Adventure - zu deutsch: Abenteuer - bewältigen wollen. Aus dem Test einer
Fachzeit¬schrift ging die Maschine jüngst als Sieger und bestes Straßenmotorrad hervor. Das Vertrauen ins Material ist
groß. "Sonst bräuchten wir gar nicht losfahren." Im Originalzustand befinden sich die Maschinen, die be¬reits 34.000
beziehungsweise 20.000 Kilometer auf der "Uhr" haben, nicht mehr. "Sie sind mit Extras ausgestat¬tet, die so eine Reise
verlangt",
erläu¬tert der 42-Jährige. Der Tank etwa ist eine Spezialanfertigung, die mehr Sprit fasst als die
übliche Variante.
"Wir benötigen eine Reichweite von mindestens 500 Kilometern, weil wir teilweise in sehr dünn
besiedelten Gebieten 'unterwegs
sind", so Rene Bernhardt. Beispiel Mongolei: Pro Quadratkilometer zählt das Land, in dessen
Hauptstadt die Temperatur im
Durchschnitt minus zwei Grad Celsius beträgt, gerade einmal zwei Einwohner. "Da ist viel
Platz."
Im Kopf schwirrt Rene
Bernhardt dieses Abenteuer seit vielen Jahren herum. Spruchreif wurde es ab Ok¬tober
vorigen Jahres. "Seither laufen die
Vorbereitungen", sagt der ge¬lernte Nähmaschinen-Mechaniker, der 1991 seinen Laden
in Lößnitz er¬öffnet hat
und seit 1996 KTM-Ver¬tragshändler ist. Mit dem Zweirad¬center hat er
sein Hobby zum Beruf gemacht. "Ich bin schon immer
gern Motorrad gefahren." In diesem Punkt ist der Sohn ganz der Papa. Ei-nes
stellt Rene Bernhardt aber klar: "Wir wollen uns einen Traum
erfül¬len, nicht unser Leben riskieren. Wenn etwas schief
geht, brechen wir ab oder stellen die Route um."