Diese Straße war in der Karte als normale Landstraße eingezeichnet!
Über der Baumgrenze hörte es auf zu regnen und die Sichtweite lag teilweise unter 10 Meter. Bei 1988 Höhenmeter, gegen 17.00
Uhr,
befanden sich die Beiden mitten in den Wolken. Die Piste verkam zu einem Hohlweg, der teilweise mit Schnee zugeweht war, abseits des
Weges war
ein Weiterkommen ebenfalls unmöglich. Hier erreichten auch die zwei Lößnitzer ihre Leistungsgrenze, so dass
schließlich
beschlossen wurde, umzukehren. Mit letzter Kraft, immer im Stehen fahrend, teilweise im Schritttempo, den Blick immer
am Lenker vorbei auf den
Straßenrand gerichtet, erreichten sie endlich wieder bewohntes Gebiet. Natürlich war es inzwischen
dunkel, über 30 Kilometer
fuhren die KTM nicht schneller als 10 km/h.
Wer so eine Tortur hinter sich hat, kann natürlich eine Belohnung erwarten. Für
Andy und René war dies ein gemütliches Hotel mit einem kräftigen Abendbrot und Bier. Das sie dabei von hübschen
Mädchen bedient wurden, die wohl aus Freude über die Abwechslung die die beiden Motorradfahrer brachten, sogar noch ein
Tänzchen
zum Besten gaben, machte den Tagesausklang noch schöner.
Auf der weiteren Fahrt wurde zunächst Serbien inklusive der Hauptstadt Belgrad
durchfahren, Land und Leute
wurden wieder europäisch. Mitten in Belgrad begegneten die KTM Fahrer einem einheimischen KTM Piloten,
der an einer Ampelkreuzung stolz
seine Adventure zeigte.
Nach einem kurzen
Stück Kroatien war Bosnien nächste
Station auf der Reise durch zwölf Länder. Hier leben zu 80 Prozent Moslems.
Vieles, wie zahllose Moscheen, erinnert eher an arabische
Länder als an Europa. Sehr bunt zeigte sich die Bevölkerung,
verschleierte Frauen, aber auch europäisch, modern gekleidete
Mädchen im Minirock, Bettler und Männer mit
Kriegsverletzungen bestimmten das Straßenbild. Beklemmend war der Anblick der vielen
Kriegszerstörungen, die das Land immer
noch prägen. Wobei alle Menschen einmal mehr sehr freundlich und hilfsbereit waren. Hier in
Bosnien mussten die zwei Fernreisenden
zum ersten Mal ihren Führerschein bei einer Polizeikontrolle vorzeigen.
Der
Weg führte weiter nach Kroatien, für René und Andy quasi die zweite Heimat, denn seit 1997
veranstaltet der KTM
Händler geführte Touren in dem Land. Trotz einer guten Ortskenntnis fanden die Zwei eine ihnen unbekannte
Passstraße, die
noch einmal mit einer kurvenreichen Schotterpiste auf 1170 Metern Höhe führte. Dort lagen noch Schneereste vom
ersten
Wintereinbruch, aber bald öffnete sich der Blick zum strahlend blauen Himmel über der Adria. In Porec gönnten sie sich bei
Freunden einen Tag Ruhepause zum entspannen in dem idyllischen Ferienort. Das war nötig, denn der erste Ruhetag in Odessa war mit
Stadtbesichtigung eher anstrengend gewesen. Und die bisherigen Tagesetappen, im Durchschnitt 475 Kilometer pro Tag waren meist richtig
anstrengend gewesen, auch wenn die Eindrücke, die unberührte, wildromantische Landschaft und die freundlichen Kontakte zu den
Menschen
die Strapazen mehr als wettmachten.
Auf der Fahrt zum nächsten
Etappenziel, der
Motorradmesse in Mailand, konnten die KTM so richtig fliegen. Auf den gut ausgebauten Straßen in Istrien fuhren
René und Andy die
Reifen bis an die Profilgrenze herum Schräglagen, die bisher auf der Tour nicht möglich waren.
Die Messe in Mailand war noch
einmal anstrengend, zumal sich ein bezahlbares Zimmer erst 40 Kilometer von Mailand entfernt finden
ließ. Die Präsentation des KTM
Superbikes RC 8 ließ sich der KTM Händler natürlich nicht entgehen.
Eine
letzte Station wurde in der Schweiz gemacht, bei der Fahrt durch den Gotthardtunnel
herrschten auf der südlichen Seite 15 Grad über
null. Nach 19 Kilometer auf Schweizer Seite empfingen die beiden
Osteuropafahrer Schneegestöber und Temperaturen um den Gefrierpunkt. Das
erinnerte die Beiden daran, dass November war!
Ein schönes Erlebnis hatten die
beiden Motorradfahrer auf einem Parkplatz in der
Schweiz, als sie von einem Ehepaar spontan mit Kaffee aus dem Wohnmobil versorgt wurden. Ein
anderer Schweizer informierte über
sämtliche Blitzer und Radarfallen. Für die letzte Etappe von Bern nach Lößnitz wurde
die Autobahn unter die
Räder genommen. 700 Kilometer am Stück waren fast anstrengender, als die Schotteretappen auf den maroden
Balkanpisten, meinte
Andy.
Nach 16 Tagen und 6588 abwechslungsreichen Kilometern
erreichten die zwei
Abenteurer wohlbehalten das heimatliche Lößnitz im Erzgebirge.
Am Ende
des Berichts soll noch der Ausrüstung Aufmerksamkeit geschenkt werden. Als fahrbarer Untersatz sind für eine Tour
durch den
"Wilden Osten" von Europa Reiseenduros erste Wahl. Fahrwerke mit großer Bodenfreiheit, durchzugsstarke Motoren mit viel
Drehmoment
und robuste Technik sind unabdingbar, ebenso wie Bereifung, die auch für Geländeetappen taugt. Nachgerüstet wurden an
den
KTM Scotoiler für die Kettenschmierung, so dass die Kette auf der ganzen Strecke weder nachgespannt noch gereinigt werden musste. Ebenso
war der Ölverbrauch gleich null, wie sich die gesamte Technik als absolut zuverlässig heraus stellte. Natürlich behandelten
beide
Fahrer ihr Reisegerät sorgfältig, dazu gehört das Warmlaufen lassen am Morgen. Selbstverständlich wurde, bis
der Motor seine
Betriebstemperatur erreicht hatte, auf das "Heizen" verzichtet.
Hochwertige, wasserdichte
Fahrerkleidung, Integralhelm, Endurostiefel, dazu wasserdichte Überzieher für die Stiefel
sind für das Wohlbefinden unverzichtbar.
Das René Bernhardt bei vielen Dingen auf Originalzubehör von KTM setzt, hat
nicht nur mit seiner Tätigkeit als KTM Händler
zu tun. Er ist auch von Passform der Kofferträger und Seitenkoffer restlos
überzeugt. Was ihn nicht abhält, auch selber
nützliche Kleinigkeiten für die große Tour zu entwickeln, wie
einen Heckträger, der in Form von zwei Rohren eine breite,
sichere Auflage für Gepäck hat und gleichzeitig in den Rohren
Platz für Kleinigkeiten, wie Zeltstäbe und Häringe
bietet.
Zuverlässig funktionierten die Garmin Navigationssysteme, dem aus oben
genannten Gründen nur einige Male die
Koordinaten ausgingen Die Helmsprechanlagen von Interfon und die Heizhandschuhe von Baehr
erfüllten ihren Zweck vorbildlich. Wobei
Letztere für Reisen zu dieser Jahreszeit nahezu unumgänglich sind.
Wenn
der Leser der Meinung ist, dass Vater und Sohn Bernhardt nun erstmal genug von Schotter und
fremden Ländern haben, liegt falsch. Auf
den Geschmack gekommen, sind Touren weiter nach Osten geplant, ebenso geführte Touren in die
Balkanländer. Frei nach dem Motto:
Die friedliche Eroberung des Osten auf dem Motorrad ein Beitrag zur Völkerverständigung!
Der Autor ist Claus Uhlmann und die Fotos sind von René und Andy Bernhardt